Handwerk und Herzblut
Mehl liegt in der Luft, der Duft von frisch gebackenem Brot erfüllt den Raum – mitten in Münster haben Verena Poppen und Jan Huneke mit „Millie Backstube“ einen Ort geschaffen, an dem echtes Handwerk auf Leidenschaft trifft. Ihre Geschichte: eine Reise voller Mut, Chaos und ganz viel Liebe zum Backen.
Schon von außen, durch die großen Fensterscheiben der „Millie Backstube“ am Hansaring in Münster, kann man Verena Poppen bei der Arbeit beobachten. Die Haare hochgesteckt, die Schürze mit Mehl bedeckt, der Blick fokussiert. Vor ihr liegen zahlreiche Sauerteig-Laibe – bereit zum Formen, um sie am nächsten Tag zu backen. Mehl tanzt durch die Luft. Verena ist in ihrem Element.
Im hinteren Teil der Backstube steht ihr Geschäftspartner Jan Huneke. Auch er ist ganz bei sich: Er bereitet gerade eine große Menge Zimtschneckenteig vor. Wie bei allen Produkten gilt hier: frisch, handgemacht und mit höchsten Ansprüchen an Qualität. Denn genau dafür stehen sie: für ehrliches Handwerk – und ganz viel Herzblut.
Der Weg nach Münster
Der gemeinsame Weg begann schon lange vor der Eröffnung im Februar 2025. Jan und Verena sind beide gelernte Konditor*innen. Jan, 39 Jahre alt, stammt aus Dortmund. Seine berufliche Reise führte ihn von Norderney über Köln zurück auf die Insel – bis er schließlich 2016 mit seiner Frau nach Münster zog. „Und hier bleiben wir jetzt auch“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Die Entscheidung für Münster fiel leicht: „Wir wollten raus aus Köln und haben geschaut, wo es hingehen kann“, so Jan.
Über einen ehemaligen Kollegen kam das Angebot, in der Eisdiele „Raffaels“ das Eis zu machen. Er nahm an – und ein neues Kapitel begann. Raffaels unterstützte ihn sogar bei der Meisterausbildung. Knapp sieben Jahre arbeitete er dort – erst am Bült, dann am Hansaring.
Verena, 36 Jahre alt, stammt aus der Nähe von Wolfsburg. Nach der Ausbildung zur Lebensmittel- und technischen Assistentin in Bielefeld studierte sie Sport- und Ernährungswissenschaften – später nur noch Ernährung – in Münster. „Ich habe nebenbei die Ausbildung zur Konditorin gemacht“, erzählt sie. Auch ihren Meistertitel hat sie seither erfolgreich erworben.




Zwei, die dieselbe Vision teilen
Kennengelernt haben sich die beiden während ihrer Meisterzeit. „Ich war zum Probearbeiten bei Jan“, erinnert sich Verena. Schon bald zeigte sich: Ihre Werte, ihre Ansichten – und ihre Träume – passten zusammen. Beide wollten sich langfristig selbstständig machen, am liebsten mit einer eigenen Backstube.
2023 wurden die Pläne konkret. Gemeinsam entwickelten sie ein Konzept, suchten nach einer passenden Location – und entschieden sich bewusst dafür, den Schritt zu zweit zu gehen. „Das nimmt ein wenig den Druck, gerade was Investitionen angeht“, sagt Jan.
Von der Baustelle zur Backstube
Die perfekte Gelegenheit bot sich, als Raffael, der Besitzer der Eisdiele, an seinen alten Standort am Bült zurückkehrte. Dadurch wurde das Ladenlokal am Hansaring frei – und Jan und Verena griffen zu.
Doch der Weg zur Eröffnung war alles andere als einfach. „Es war chaotisch und schleppend“, erzählt Jan. Verena verdreht zustimmend die Augen. Bauverzögerungen, fehlende Handwerksbetriebe, spontane Eigenleistungen – sie meisterten alles gemeinsam.
„Verena hat sogar die Tische selbst gebaut“, erzählt Jan. Die hellen Holztische könnten auch aus einem Designkatalog stammen. Vieles ist noch nicht fertig, aber das Café lebt.
Der Eröffnungstermin im Oktober 2024 wurde verpasst. Erst im Februar 2025 konnten sie endlich die Türen öffnen.
Sauerteig, Zweifel – und große Wertschätzung
Heute läuft die Backstube gut an. Der Fokus: Qualität. Und die zeigt sich besonders im Herzstück des Angebots – dem Sauerteigbrot.
Beim Betreten des hellen, gemütlichen Cafés strömt dem Gast der Duft frischer Backwaren entgegen. Die Kaffeemaschine zischt, aus dem offenen Backbereich hinter der Glaswand kann man beobachten, wie Verena mit dem Brotteig arbeitet.
„Sauerteig ist eine Wissenschaft für sich“, sagt sie. „Wir setzen ihn selbst an, pflegen ihn täglich.“ Die Herstellung ist aufwendig, aber genau das macht den Unterschied.
Auf einem großen Blech liegt der Teig, Verena hebt ihn auf die bemehlte Fläche, teilt, faltet und knetet ihn, bevor er in Gärkörbchen wandert. Am nächsten Tag wird gebacken. Nebenan zeigt Jan, wie er den Teig für die Zimtschnecken in der großen Küchenmaschine vorbereitet – nach eigenem Rezept.
Das Sortiment ist bewusst übersichtlich: Unter anderem Brotsorten wie Sauerteig- und Saatenbrot. „Man schmeckt den Unterschied“, sagt Verena. Auch wenn manche Gäste anfangs den Preis kritisch sehen – viele kommen zurück und loben die Qualität. Die Wertschätzung wächst mit jedem Bissen.
Ein Ort für alle Generationen
Eine klar definierte Zielgruppe haben Jan und Verena nicht. „Hier kommt alles zusammen – von Studierenden bis zu Senior*innen“, sagt Jan.
„Eine Frau kommt regelmäßig, nur um ein Croissant mit Butter zu essen“, erzählt Verena. „Und eine andere fährt extra aus Hiltrup, nur für unser Sauerteigbrot.“ Der Radius ihrer Stammkundschaft wächst – ebenso wie das Vertrauen.
Traditionelles Handwerk, modernes Sortiment
Neben den Klassikern wie Zimtschnecken, Croissants, Käsekuchen und Frühstücksangeboten gibt es am Sonntag frische Brötchen. Doch das restliche Sortiment wechselt ständig – je nach Saison, Stimmung und Kreativität.
Zu Ostern gab es Hefezöpfe, viele der Spezialitäten gibt es auch in veganer Ausführung. Für alle ist etwas dabei – ohne dass die Qualität leidet.
Der Blick nach vorn
Aktuell befinden sich die beiden Gründer*innen noch in einer intensiven Aufbauphase. Die Tage sind lang, die To-do-Listen länger. Doch ihre Haltung bleibt positiv – und ihre Pläne wachsen weiter.
„Wir möchten künftig noch mehr Backwaren anbieten“, sagt Verena. Auch Brotbackkurse sind denkbar. Der Traum wächst weiter – mit jeder neuen Idee.
Aber eines wird sich nie ändern: „Wir wollen einfach nur backen“ – das bleibt für Jan und Verena nicht nur ein Motto, sondern der rote Faden ihres gesamten Schaffens.
Fotos: Franziska Ix